Foto: N. Wiegeler
 
Vom Da-Durch-Kommen
von Beatrix Schubert
 
Ich komme gerade aus der Wüste zurück. Fast zwei Wochen wandern, in der Gebirgswüste Jordaniens. Schön war’s, aber auch eine heftige Erfahrung. Eine Erfahrung, die ich gut mit der Klinik verbinden kann.
 
Wir hatten warmes Wetter bestellt – nach einigen Touren in anderen Wüsten, in denen wir immer ordentlich gefroren hatten. Das sollte man nicht tun, denn dann bekommt man zwar durchaus warmes Wetter, aber auch andere Sorgen. In einer Nacht flog uns im Sandsturm das Beduinenzelt um die Ohren, in der Nacht darauf sind wir fast davon geschwommen - in einem Starkregen, der für April alles andere als typisch ist. Das alles in einer Gegend ohne Handy-Empfang, wo man nicht mal eben Hilfe holen kann. Die Natur ist größer und stärker als wir, und sie fragt nicht, was wir uns für unseren Urlaub gewünscht haben.
 
Und die Klinik, was hat sie mit einem so speziellen Abenteuer zu tun? Ich finde, eine ganze Menge. Auch hier treffe ich auf Menschen, die sich für ihr Leben etwas gewünscht haben – kann gut sein, dass sich ihre Wünsche erfüllen, aber das Leben wird ihnen auch manches andere bringen, was sie nicht erwartet und sich ganz sicher nicht gewünscht haben. Deshalb sind sie hier. Sie konnten sich meist nicht darauf vorbereiten. Und sie haben es nicht unter Kontrolle. Sie müssen sich dem stellen, was die Krankheit mit ihnen macht, sie mischt sich als große und starke Kraft in ihr Leben ein. Sie müssen damit umgehen, wie wir auf unserer Wanderung auch.
 
Was das heißt? Sich nicht entmutigen lassen - nach Wegen suchen, in der veränderten Situation weiter zu machen - Vertrauen haben, auch wenn es ungemütlich wird - zusammen halten und sich gegenseitig helfen, wenn es aus eigener Kraft nicht weiter geht - Schutz suchen, wo immer es geht - und die Hoffnung stark machen.
 
Die Natur ist größer und stärker als wir, und sie fragt nicht nach unseren Wünschen – so ist das. Aber wir sind in der Lage, das durchzustehen: mit den Kräften, die wir in uns tragen, mit den Menschen, die mit uns sind. Und mit Gottes Hilfe, der, so glaube ich, an unserer Seite bleibt - jederzeit, überall und bei welchem Wetter auch immer.
 
 
 
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Pastoralreferentin
Beatrix Schubert (kath.)