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"Fürchtet euch nicht!"
von Beate Schröder

»Fürchtet euch nicht!«, ruft der Engel den Hirten auf den Feldern vor Bethlehem zu.

In diesem zweiten Winter der Pandemie gilt dieser Ruf auch uns. Viele haben jetzt wieder Angst - und das ist mehr als verständlich. Sie fragen sich: Wird das Virus auch mich treffen? Werde ich es an mir liebe, gefährdete Menschen übertragen?

Zwar sind viele geimpft, doch die Impfung schützt nicht in der Weise, wie wir es erhofft haben. Sie schützt vor einem schweren Krankheitsverlauf. Aber auch Geimpfte können krank werden und das Virus weitergeben. Wieder gilt es: Abstand halten, Masken tragen! Weihnachtsmärkte, Adventsfeiern werden abgesagt. Die Unsicherheit bleibt und das zehrt an den Nerven.

Was mich in diesen Tagen besonders belastet: Ich habe den Eindruck, es werden Schuldige gesucht - und gefunden: die Ungeimpften. Vermittelt es vielleicht ein Gefühl der Sicherheit, wenn ich mir einbilde zu wissen, wer angeblich schuld ist an der Misere? Wenn ich weiß: „Ich bin es nicht. Ich gehöre zur Mehrheit der Geimpften. Ich mache es richtig. Aber die Anderen - die sind verantwortungslos. Sie misstrauen den doch so eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen.“ Aber kann Wissenschaft eindeutig sein, wenn sie sich ernst nimmt?

Ich kenne unterschiedliche Motive, warum sich Menschen impfen oder auch nicht impfen lassen. Ich will beide in ihrer jeweiligen Entscheidung respektieren, Geimpfte und Nichtgeimpfte.

Der Engel auf den Feldern vor Bethlehem will nicht nur Furcht vertreiben. Er weist uns hin auf den, der zu allen Menschen kam:

»Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren.« Dieser Heiland, Jesus, fürchtete weder die, die meinten, alles richtig zu machen, noch mied er Kranke und Ausgegrenzte.

Es wäre doch schön, wir könnten in der Adventszeit, in der wir uns an sein Kommen erinnern, unsere Scheuklappen abnehmen, auf Andere zugehen, sie wahrnehmen und sie vielleicht einfach mal nach ihrem Befinden fragen. Empathie statt Seelen-Eiseskälte - das wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk. Denn hinter jeder Maske verbirgt sich ein Mensch mit einer je eigenen Geschichte, eigenen Ängsten und Motiven. Fürchtet euch nicht voreinander!

 

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Pfr.in Beate Schröder (evang.)