Geduldig sein!
von Brunhilde Leyener
Das dauert! – Dieser Jahresbeginn scheint es nicht eilig zu haben. Alles dauert etwas länger. Nach ersten wärmeren Sonnenstrahlen hatten die Schneeglöckchen und Märzenbecher ihre Köpfe ein wenig durch die Erde gestreckt – aber der Winter zeigt noch mal, dass seine Zeit noch nicht zu Ende ist. Ende Februar kommt die Kälte zurück und die ersten Frühlingsboten, auf die wir doch so warten und hoffen, erstarren. Es dauert noch, bis die erwartete Frühlingssonne Wiesen und Gärten bunter färbt.
Die Fasnet oder Faschingszeit dauert in diesem Jahr so lang, dass selbst begeisterte Hästräger und Narren ungeduldig warten. Erst jetzt Anfang März erreicht die „fünfte Jahreszeit“ ihren Höhepunkt. Und dann dauert es noch mal – sechs lange Wochen - bis endlich Ostern ist.
Dieser Jahresanfang 2011 fordert uns heraus: Geduld ist gefragt.
Geduld? Ein ganz schwieriges Wort, wie ich finde. Geduld. Assoziiere ich mit warten müssen – nichts tun können – sich fügen müssen – aushalten müssen. Wie oft wird im Krankenhaus Geduld eingefordert! „ Da brauchen sie viel Geduld“ - bis die Narbe verheilt ist – bis die Diagnose klar ist – bis Bewegungen wieder leichter möglich sind - bis die Kräfte wieder kommen.
In der Bibel finde ich folgende Verse: „Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. Die Hoffnung aber lässt nicht zu Grunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen.“ So schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom (Röm 5, 3b – 5a). Diese Spiralbewegung von der Bedrängnis zur Bewährung zur Hoffnung – sie leuchtet mir ein. Narben brauchen ihre Zeit, um zu verheilen, Kräfte kommen nur langsam, Schritt für Schritt, zurück. Gerade dann, wenn Fragen und Nöte im Herzen und im Verstand für Unruhe sorgen und Lösungen nicht zu finden sind – nicht jetzt gleich - nicht heute – nicht morgen, dann muss ich ausharren, dann muss ich vertrauen, dass Antworten sich einfinden werden. Vertrauend ausharren. Mit jedem noch so kleinen Schritt der Hoffnung Raum geben – so kann ich auch in schweren Zeiten nach vorn schauen. Denn – so sagt Paulus, Gottes Liebe ist ja schon in uns, er begleitet uns ja schon, er geht mit uns. In dieser Gewissheit kann ich geduldig bedrängende Situation aushalten.
So bedacht werde ich wieder öfter „Viel Geduld“ wünschen. Der Frühling kommt bestimmt – bald – und mit ihm die Wärme, die Farben, das Leben.
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Pastoralreferentin
Brunhilde Leyener (kath.)
