Auszeiten - Sommerzeit
von Gisela Schwager

Auch im Klinikalltag braucht man sie manchmal: Auszeiten als Patient, Angehöriger oder Mitarbeitende. Eine Auszeit – weil es genug ist, mehr als genug, und man nichts mehr hören oder sehen will von dem ganzen Krankenhausbetrieb. Eine Auszeit – weil sowieso nichts mehr vorwärts geht.

Unsere Kinder und Jugendliche in der Kinderklinik zeigen es in der Regel deutlich, ob es für sie genug und eine „Auszeit“ angesagt ist: Schreien, wegdrehen, sich die Decke über den Kopf ziehen, oder Stöpsel rein in die Ohren, MP 3 Player, Computer oder Playstation an, abhängen, mit keinem mehr reden, und keine Erklärungen mehr! Auszeit.

Eltern und Angehörige tun sich schwerer damit: rauszugehen, sich eine Auszeit zu nehmen und die kreisenden Gedanken wenigstens für eine Weile abzuschalten. Dabei merkt man, wie ihnen - bei aller Liebe und Fürsorge – die innere Kraft schwindet, sie viel zuwenig Schlaf haben und das Miteinander dünnhäutiger ist. Manchmal braucht es da einen pflegerischen oder ärztlichen Ratschlag: „Gehen Sie doch mal eine Stunde raus, genießen Sie die Sonne, trinken Sie einen Kaffee, das tut gut, das ist wichtig. Wir passen auf Ihr Kind auf.“

Auszeiten - Geh aus, mein Herz, und suche Freud, mit diesem Ratschlag beginnt eines unserer bekanntesten Sommer- und Gesangbuchlieder des Liederdichters Paul Gerhardt. Also rausgehen, um nicht stecken zu bleiben in der eigenen Mutlosigkeit. Rausgehen aus der Klinik, schauen, wie die Welt um einen rum ist, wie schön Sommer ist. Und das Lied zählt auf, Vers für Vers: die Bäume voller Laub, die Blumen, die Vögel, der Bach rauscht, im Wald kann man Schatten finden. Gleich hinter der Klinik gibt es noch was anderes zu sehen, zu hören, zu riechen was einem gut tut. Vielleicht einfach einige Augenblicke tief durchatmen und nicht immer innerlich die Luft an zu halten, vor dem was noch kommen könnte.

Auszeiten - rausgehen, Druck loslassen, wieder Atem und Mut zu finden. Also „Geh aus, mein Herz“ trotz allem und spüre, traue Gottes Lebensodem. Eine Mutter, die seit vergangenem Herbst ihre kleine Tochter auf der Intensivstation begleitet, erzählt, wie sie nach diesem langen und schweren Winter ihren Garten entdeckt hat als ihre Kraftquelle für sich selbst und die inzwischen einjährige Tochter. Dafür nimmt sie sich bewusst Zeit, ist nicht mehr ständig zwischen Klinik und daheim unterwegs. Denn mitten in der Gartenarbeit, beim Säen, Pflegen und Wachsen, so sagt sie, da kann sie die unendlich vielen, kleinen Schritte im Genesungsprozess, die Auf und Abs des Lebens besser aushalten und vertrauen, dass Gott, Schöpfer und Spender allen Lebens, es gut meint, auch mit ihrer kleinen Tochter. „Und“, so fährt sie fort, „wie in der Gartenarbeit werde ich dabei manchmal mit den beiden (also mit Gott und ihrer Tochter) sehr energisch und erinnere sie an die guten Dinge des Lebens.“ Der kommende Sommer endlich zusammen daheim als Familie gehört für sie auch dazu.

Übrigens „Geh aus mein Herz und suche Freud…“ finden Sie im Evangelischen Gesangbuch Nr 503. Manchmal tut schon gut, wenn man es singt, Und erst recht, wenn man seinem Rat folgt.

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Pfarrerin
Gisela Schwager (evang.)