Der leere Februar
von Carola Längle

Dieses Jahr ist der Monat Februar ein "leerer" Monat - Ostern liegt sehr spät im Jahr, und so liegt im Februar weder der Fasching, noch beginnt die Fastenzeit. Ich empfinde den Februar sowieso als einen schwierigen Monat, denn den Winter habe ich satt, und der Frühling will meist noch nicht so recht kommen. Die Fastenzeit war mir da immer wichtig: das Verzichten auf dies und das gab dem Februar einen Sinn, es gab ein Ziel, auf das ich hinarbeitete, hinlebte, ein überschaubarer Zeitraum, ein deutliches Ziel: Ostern.

Aber dieses Jahr ist der Februar leer! Was könnte das bedeuten?

Wenn ein Eimer, eine Tasche, ein Gefäß leer ist, heißt das: es ist nichts drin, es ist nicht gefüllt, es hat Platz, es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie das Gefäß zu füllen sein könnte.

Ein vom Kirchenjahr her gesehener "leerer" Februar - schenkt der nicht auch Platz, Freiraum, verschiedene Möglichkeiten, ihn zu füllen? Und um den Gedanken noch weiter zu denken: sind Freiräume, "ungefüllte" Zeiten nicht überhaupt wichtig, um offen zu bleiben für Unerwartetes, für das, was auch noch Platz haben könnte im Leben?

Ein Text von Heler Camara fällt mir ein:

"Sage ja zu den Überraschungen,
die deine Pläne durchkreuzen,
deine Träume zunichte machen,
deinem Tag eine ganz andere Richtung geben,
ja, vielleicht deinem Leben.
Sie sind kein Zufall.
Lass dem himmlischen Vater die Freiheit,
selber den Verlauf
deiner Tage und Jahre zu bestimmen."

Vielleicht ist der "leere" Monat doch nicht so schlecht: er könnte Freiraum und Platz für Neues, für Überraschung bereithalten.

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Pfarrerin
Carola Längle (evang.)