„Es kommt darauf an, das Leben zu zelebrieren“
von Georg Gebhard

"Es kommt darauf an, das Leben zu zelebrieren" - diesen Satz sagte mir vor kurzem ein junger Patient als Quintessenz dessen, was ihm wichtig ist. Er hatte vor mehreren Jahren einen schweren Unfall und ist seither querschnittgelähmt. Ohne Umschweife redet er darüber, wie ihm die damit verbundenen Einschränkungen, die ja so Vieles betreffen, zu schaffen machen und wählt dafür auch die angemessenen Ausdrücke.

Aber seit einiger Zeit hat er damit begonnen, ganz bewusst das zu kultivieren, was ihm geblieben ist. So hat der Geschmackssinn für ihn eine ganz neue und wichtige Bedeutung gewonnen und er versteht es mittlerweile, erlesene Speisen zuzubereiten, für sich, seine Familie und seine Freunde. Auch was Weine anbelangt, kennt er sich bestens aus. Im wahrsten Sinne des Wortes hat er wieder Geschmack gefunden am Leben. In seiner seit dem Unfall sehr veränderten Lebenssituation ist es ihm so wieder möglich, das Leben neu zu genießen, ja zu „zelebrieren.“

Seine Worte bewegen mich und ich sage ihm das auch. Das Wort „zelebrieren“ kenne ich vor allem im Zusammenhang religiös-feierlicher Anlässe. Aber vielleicht ist es das Schönste und Tiefste überhaupt, das Leben selbst als solch feierlichen Anlass zu nehmen, bei all dem, was es vorenthalten mag, aber auch mit all dem, was möglich ist und bleibt.

Für mich ist dieser Satz des jungen Mannes eine Ermutigung, das Leben bewusst zu leben, wirklich gegenwärtig zu sein in dem, was ich tue und es selbst und gerade dann zu genießen, wenn nicht alles „in Ordnung“ ist.

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Pastoralreferent
Georg Gebhard (kath.)