Foto: Rhea Koppenstein

Jeder Tag ist ein Geschenk
von Elsiabeth Zeile 

„Der Sinn des Lebens ist das Leben an sich.“ Auf diese knappe Formel kam eine Patientin bei ihrem Nachsinnen über ihr Leben und was ihr innerer Antrieb war, sich erneut den Herausforderungen und Belastungen zu stellen, die ihre Erkrankung und deren Behandlung mit sich brachten.

Schlicht und einfach, knapp und präzise formuliert, sind oft die wirklich großen und bedeutsamen Einsichten und Erkenntnisse, die ein Mensch für sich und sein Leben findet; die seine innere Haltung dem Leben und den Menschen gegenüber ausdrücken; ihn in der Tiefe prägen und tragen und auch an schwierigen Tagen Orientierungshorizont sind; die ihre Sehnsucht zum Ausdruck bringen; ihren Durst nach Leben, Freude und Liebe.

In einer Reportage über die große Flutkatastrophe in Hamburg 1962 wird von einem damals 13-jährigen Mädchen berichtet. Vor der Wucht der das Haus umtosenden und im Haus hochsteigenden Wassermassen  hatte sie sich auf das Schrägdach des Hauses geflüchtet. In letzter Minute war sie von einem Hubschrauber von dort gerettet worden. Sie überlebte als Einzige der Familie. Am Ende des längeren Interviews wird sie gefragt: „Was haben Sie aus all diesen Erfahrungen für Ihr Leben gelernt?“ Ihre Antwort ist kurz und prägnant: „Ich weiß seitdem: Mein Leben ist ein Geschenk.“

Bemerkenswert ihre Antwort – keine Anklage, keine Klage. Stattdessen ein Satz, der wie ein Bekenntnis ist: Mein Leben ist ein Geschenk! Dass ich überhaupt lebe, das ist das Wunder!

In jedem guten Geschenk ist der Schenkende indirekt anwesend. Seine Freundschaft, seine Zuneigung und Liebe zu uns. Ist also Gott im Geschenk des Lebens auch indirekt präsent? Ich meine: ja! In unser aller Leben ist der Fingerabdruck Gottes eingeprägt. Und damit gibt es in unserem Leben eine unkündbare Gottesverbindung. Mit jedem Atemzug ist ein „Ja“ Gottes in uns wirksam. Er stattet uns aus mit schöpferischer Lebendigkeit. So ist unser Leben mit all seinen Höhen und Tiefen auch eine Geschichte mit Gott.

Seit einiger Zeit begleitet mich dieses „Ja“ Gottes in einem Liedruf aus Taizé:

„Christus, dein Licht, verklärt unsre Schatten;
lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht.
Christus, dein Licht, erstrahlt auf der Erde
und du sagst uns: Auch ihr seid das Licht.“
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Pfarrerin 
Elisabeth Zeile (evang.)