Der Lebenssturm und seine Würde
von Klaus-Dieter Pape
Zwei Sessel zum Nachdenken
Ruhig werden, zu sich kommen
Einladend, anziehend, aufregend
Bewegtes Wasser, unruhig
Wind und Wellen
Fernweh und Sehnsucht
Zeit zum Schauen, Innehalten, Bilanzziehen, Loslassen
Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, wir leben immer an der Kante. Der Übergang vom sicheren Land, auf dem wir uns so gut auskennen, hin zum tosenden, anziehenden, aber auch bedrohlichen Wasser ohne tragenden Grund ist nur ein kleiner Schritt. Schon morgen kann z. B. eine Diagnose die Grenzen der Sicherheit des Heute aufbrechen und alles ins Rutschen bringen. Was bringt dann der nächste Schritt? Abgrund, Absturz oder Aufbruch?
Oft genug tauchen dann aus den inneren Untiefen Ängste auf: Warum ich? War alles sinnlos, was bis jetzt war? Was wird kommen, lohnt es sich zu kämpfen? Lebenssturm eben.
Angefragt ist meine Würde. Ab jetzt nur noch passiver Patient, ausgeliefert der Hoffnung auf das Wissen und dem Geschick Anderer? Objekt statt Subjekt? Kostenfaktor im Kräftemessen der Instanzen? Der Grad zwischen Land und Wasser ist schmal.
Wenn es losgeht, mindestens einer geht mit. Weil er vernarrt ist in uns, nicht nur in der jetzt anbrechenden Narrenhoch-zeit. Als wir ins Leben gerufen wurden, war er schon da für uns, für mich. “Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir… Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort.“ Diese berühmten Wort aus Jesaja 43 bezeugen nicht nur einen menschenverliebten Gott, sondern sind Ausdruck einer eingeprägten, unauslöschlichen einmaligen Würde eines jeden Menschen, gerade in den Stürmen des Lebens auf der Seite der Abgeschriebenen, der Ausgegrenzten, der Vergessenen.
Also auf unserer Seite.
Zwei Sessel zum Nachdenken, ruhig werden, zu sich kommen… Bitte nehmen Sie Platz!
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Diakon
Klaus-Dieter Pape (kath.)
